Tlalyn Dai
Bild: KI-generiert

Die Heldin von Harun
Tlalyn Dai wächst als Tochter der Schamanin Tminama Nam und des Helden Mnurgad Hormdai in der Civic Rda im Lande Harun auf, aber sie ist kein normales Kind. Ihre Mutter ließ vor ihrer Geburt den gewaltigen Feuerdrachen Gallinourgh Rykwna in ihren Leib und diente ihm als Avatar. So trägt das Mädchen bei seiner Geburt die Zeichen der Drachenschuppe auf der Haut. Die Menschen reagieren zwiespältig auf dieses Wunder: Einige verehren sie als gutes Omen, aber andere fürchten sie. Ihre Mutter entscheidet sich, das Kind dem Drachen zu opfern, doch Mnurgad verhinderte dies und schickt die Schamanin in den weit entfernten Gallihead, um dort dem Drachen zu dienen. Tlalyn jedoch, die bald die Zeihen der Drachenschuppe verliert, erzieht er selbst zur Kriegerin.
Schon in ihrer frühesten Kindheit zeigt Tlalyn Eigenschaften, die später typisch für die Teben von Hewa sein würden. Sie wächst schnell, lernt und erarbeitet sich enorme körperliche Kräfte für ihre Alter. Darüber hinaus kennt sie weder Angst noch Schmerz. Ihr Vater bringt ihre die Jagd nach den großen gestreiften Katzen bei uns zeigt ihr, wie man einen Bogen baut und Pfeile schärft. Andere Kinder meiden sie. Zu stark ist die Angst vor dem Drachen und selbst die Schamanen wittern nichts Gutes in diesem sonderbaren Mädchen.
Im Alter von sechzehn Standardjahren muss Tlalyn ihre erste große Heldentat begehen. Ihre Heimatcivic Rda wird erneut von einer Gruppe marodierender Reiter bedroht, doch Mnurgad ist weit entfernt. Rda ist unvorbereitet, doch Tlalyn organisiert die Verteidigung. Allein stellt sie sich den Angreifern entgegen und fordert ihren Helden zum Zweikampf heraus. Unter dem Gelächter der Reiter nimmt Herod Kusur, der Schlächter von Ramaram die Herausforderung an und stirbt einen schnellen Tod. Die Reiter ziehen sich zurück, überfallen die Siedlung aber in der selben Nacht erneut. Doch Zwischenzeitlich hat Tlalyn die Civic befestigt und gewinnt die Schlacht.
Doch die Menschen ihre Zeit fürchten sie nun nur umso mehr. Tlalyn spürt in ihrem Inneren den Atem des Drachengeistes und sie kämpft dagegen an, weiß aber, dass sie sich früher oder später darin verlieren wird. Sie will nicht wie ihre Mutter enden. Sie will nicht zum Avatar der Bestie werden. Dieser innere Konflikt prägt sie weit stärker als jeder äußere Feind. Schließlich ergibt sie sich diesem inneren Ruf, erklärt ihrem Vater kurzerhand, dass sie eine Queste zu begehen habe und macht sich auf die Wanderschaft. Allein reist sie nach Westen, dem Gallihead entgegen. Dort begegnet sie den Hütern des Drachen, den Gefolgsleuten ihrer Mutter. Sie erkennt, dass die Schamanin Tminama Nam werden tot noch lebendig ist und stattdessen nur noch als ausgezehrter Avatar existiert. Diese Begegnung prägt sie für immer. Die Schamanen des Drachen denken sie sei gekommen, um den Platz ihrer verbrauchten Mutter einzunehmen, doch Tlalyn weigert sich. Es kommt zum Konflikt in dem sie nicht nur mehrere Wächter und Schamanen sondern am Ende den Avatar – ihre eigene Mutter – erschlägt. Als sie nach Harun zurückkehrt, ist sie verändert. Alles an ihr ist verhärtet und sie Zeit ihrer Jugend ist vorüber. Sie schwört sich niemals den Geistern zu ergeben oder einen von ihnen in sich einzulassen.
Im Laufe der Zeit erlebt Tlalyn unzählige Abenteuer, schlägt Angreifer die ihre Heimat bedrohen zurück und übernimmt schließlich eines Tages den Status ihres Vaters als Heldin von Rda. Es dauert lange aber eines Tages erkennen die Menschen von Harun ihren Heldenmut und nehmen sie schließlich als ihre Anführerin an. Aber nicht alle teilen diese Meinung. Die Schamanen, die mit ihren Brüdern im Gallihead in Kontakt stehen, sehen in ihr eine Verweigerin dem Willen des Drachen gegenüber. Immer wieder dringen sie in die junge Heldin und als diese sich weiterhin weigert sich ihrer vermeintlichen Bestimmung hinzugeben, fordern sie ihre Verbannung und schließlich sogar ihren Tod.
Tlalyn muss fliehen und die Schamanen von Harun übernehmen die Kontrolle über das Land. Dieses Mal als Geächtete zieht die Heldin erneut von Ort zu Ort und erlebt erneut viele Abenteuer. Sie kämpft gegen die Schattenreiter aus dem Rogurenwäldern, besiegt die Einzähnige Hexe im See und erschlägt den Riesen Drnward Drajorn in der Ebene von Trborgal.
Nach vielen Standardjahren des Exils in den Wäldern Haruns kehrt Tlalyn schließlich nach Rda zurück. Sie hat sich selbst als Heldin an die Spitze der Reiterhorden des Südens gesetzt und ist nun die Anführerin jener, die sie einst an der Seite ihres Vaters bekämpfte. Siedlung um Siedlung unterjochend führt sie die Reiterhorfe über die verbrannten Ebenen Haruns nach Norden. Ihre zwischenzeitlich von den Schamanen beherrschte Heimat, ist schwach und innerlich zerstritten. Die Menschen hungern, Felder liegen brach, und die alten Rituale haben ihre Bedeutung verloren. Die Schamanen versuchen den Geist des Drachen zu wecken und beschwören Visionen von Feuer und Flammen. Doch die Bestie antwortet ihnen nicht. So fällt der Wiederstand eher schwach aus und bald sind alle Anhänger der Schamanen besiegt und ihre Führer hingerichtet.
Im Standardjahr -18.428 krönt sich Tlalyn Dai selbst zur ersten Herrscherin von Rda und ganz Harun. Ihre Macht gründet nicht auf dem feurigen Willen des Drachen oder dem von Geistern, sondern allein auf menschlicher Stärke. Sie errichtet eine neue Ordnung, in der Krieger, Jäger und Bauern gleichgestellt sind. Eine Ratsversammlung aus Clanchefs und Helden unterstützt sie bei ihren Entscheidungen. Es entsteht ein Bündnis zwischen den Reiterhorden des Südens und den sesshaften Bewohnern des Nordens und ein striktes Verbot der alten Opferrituale. Aus der kleinen Siedlung am Fluss wird die noch heute bestehende Landeshauptcivic Rdath (nach Tlalyns eigenem Namen). Bald lässt sie die Fläche der Civic erweitern, mit starken Mauern aus Stein befestigen und mit einem neuen Symbol versehen: eine stilisierte, von einem Pfeil durchstoße Drachenschuppe. Dieses Zeichen steht für ihren Schwur, sich niemals vom Atem der Bestie beherrschen zu lassen.
Die Regierungszeit von Königin Tlalyn Dai ist eine Phase der Stabilität.in Harun. Zum ersten Mal in seiner Geschichte sind die Clans und Stadtbewohner des Landes geeint und stehen unter einer nicht religiös beeinflussten Führung. Sie prägt die politische Struktur Hewas dauerhaft und begründet die spätere Teben-Ethik. Am schwersten fällt hierbei die Befriedung der südlichen Reiterhorden, die sich weigern sesshaft zu werden und immer wieder über die Stränge schlagen. Doch trotz dieser Übergriffe, kommt es nie zu einem größeren Krieg, wie er viel später das Land in zwei Teile teilen wird. Darüber hinaus setzt sich die Königin für eine Wiederherstellung der Landwirtschaft in den vom Drachenfeuer verwüsteten Gegenden ein und lässt Scutztürme entlang der Handelswege des Rdamrsk errichten und dauerhaft besetzen. Der voraus resultierende Schutz der Bevölkerung vor marodierenden Banden und Bestien sucht in dieser Zeit auf Hewa Ihresgleichen.
Doch trotz ihrer Stärke bleibt die Regierungszeit der ersten Königin natürlich nicht frei von Bedrohungen und Konflikten. Die wütenden Schamanen des Gallihead versuchen wiederholt ihren Einfluss zurückzugewinnen. Einige der Clans misstrauen der neuen Ordnung und alte Drachenkulte agieren trotz Verbot im Verborgenen. Auch Reiterhorden des Südens müssen immer wieder diszipliniert werden und die finsteren Rogurenwälder bleiben ebenfalls gefährlich. All diesen Problemen begegnet Tlalyn mit Härte, aber nie mit Grausamkeit. Mit der Zeit wird Tlalyn Dai zu einem Symbol für menschliche Selbstbestimmung und einen unerbittlichen Widerstand gegen göttliche Einflüsse.
Ihre Regierungszeit umfasst 20 Standardjahre (Sj −18.428 bis −18.408), bevor die nächsten großen Konflikte Harun und seine Bewohner in Mitleidenschaft ziehen. Erneut sind es die dunklen Gestalten der Rogurenwälder, die das griechische Leben der Hewaner verunsichern. Nach wie vor kann niemand sagen, um was es sich bei den schrecklichen Schattenreitern handelt, doch wieder verbreiten sie Chaos und Terror. Sie überfallen Dörfer, brennen Felder nieder und entführen Menschen. Tlalyn Dai reagiert und führt 300 Reiter in die Wälder. Sie brennen die alten Pfade frei und zerstört die scheußlichen Lager aller Angreifer. Dann tötet die Königin eigenhändig ihren Anführer, den gefürchteten Schwarzen Bogen. Dieser Prozess dauert gut zwei Standardjahren und schwächt die Krieger der Königin empfindlich. Er hinterlässt viele Siedlungen und Höfe in tiefer Angst und das Geschrei der Hinterbliebenen um ihre Toten ist für die Königin unerträglich. Ihr Gemüt beginnt sich langsam zu verdunkeln und immer häufiger quälen sie Träume von Feuer und Chaos.
Genau diesen Zeitpunkt der Schwäche schließlich wählt ein junger Anführer der Reitervölker namens Djunquad Nomid, um einen Pakt mit den Schamanen des Gallihead einzugehen, da er genau weiß, wie sehr diese die Ablehnung seitens der Haruner ihrem Glauben gegenüber hassen. So bilden beide Mächte das größte Heer, dass Hewa bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hat. Vom Westen und vom Süden marschieren die Krieger und von Geistern besessene Wesen der Schamanen und die Horde des Reitervolkes gegen den Norden Haruns und verwüsten auf ihrem Weg Höhe und Siedlungen. Es werden keine Gefangenen gemacht und das ohnehin geschwächte Volk von Königin Tlalyn sieht sich am Boden zerstört. In der Schlacht um Rdamrsk stehen sich Djunquad Nomid und Königin Tlalyn Dai schließlich gegenüber. Ihr Kampf wird zur Legende. Der junge Krieger ist vom ersten Moment im Vorteil, hackt und sticht auf die Heldin ein, denn Tlalyn ist müde von vorherigen Schlachten und ihre Wunden sind längst nicht verheilt. Dann trifft sie der Speer des Gegners in die Seite und verletzt sie tödlich. Triumphierend lacht der Reiterfürst und will zum letzten Stoß ausholen, doch da hebt die geschlagene Königin ihr Haupt und öffnet ihre von Wut gezeichneten Augen. Prasselnd und von unendlicher Hitze ergießen sich flammende Strahlen aus ihrem Gesicht und verbrennen den Angreifer zu stinkender Asche. So endet die Reise der ersten Königin Haruns. Sie sinkt zu Boden und stirbt, im Wissen, ihr ganzes Leben über, doch den Geist des Drachen in sich getragen zu haben.
Für die Schlacht jedoch bedeutet ihr Tod etwas ganz anderes. Die anwesenden Schamanen sind schokiert. Sie erkennen in diesem Ausbruch den Willen des Drachen und wechseln auf der Stelle die Seiten. Ohne Rücksicht auf ihren früheren Bund sind sie auf der Stelle bereit die Kämpfer der Horde anzugreifen. Von den Verrätern überrascht bleibt den Reitern nur die Flucht. Von diesem Tage an ist Harun ein geteiltes Land. Nach viele Standardjahre führen Nord- und Süd-Harun erbitterte Kämpfen gegeneinander und bis heute ist es keinem Politiker gelungen sie wieder zu einen. Kriege mögen beendet worden sein, doch das Misstrauen der Südländer wird sicher niemals ermüden.