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Raumlehre nach Thera Willer

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Erhältlich ab Sj 2.379

Ursprung: Kirn 8

Land: Dagetia

Kirn 8 | Sj 2.379 (IGSj 562,5¹)

Aus dem Tri-Binären decodiert von

Calman Dunbursi & D33ak8 (Double Three)

 

Für meine geliebten Eltern

Hans & Table

Dugaijd | Sj 2.379 (IGSj 562,5)

 


¹ MC Willer bedient sich der Intergalaktischen Zeitrechnung, die Umrechnung in Standardjahre erfolgte nachträglich.

Über die Autorin

MC¹ Scientist Thera Willer stammt aus einem kleinen Dorf auf Kirn 8, in der Nähe der Civic Will-Bandu, an der Grenze zum Beigaljandi. Sie erblickt Sj 2.341 (IGSj 559,2) das Licht von Kirn. Mit 28 Standardjahren absolviert sie ihr Studium an der Gosutdarstvenny Fakultet Biologiy i Nauki² in Novye Garns. Ihre Interessensschwerpunkte liegen in der Erforschung von subnucleinen Lebensformen im Quantenbereich nach ihrem Mentor, Doktor Quai Kamba.

In diesem Zusammenhang entstand ihr Werk zur Raumlehre und der grundlegenden Physik der Zwischenraumanomalien und zu niederdimensionalen Singularitätsräumen.

In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit alten Techniken der Aquarellmalerei, mittels derer sie versucht, die Umgebung ihrer Heimatwelt einzufangen.


¹ Mjaster Chekist (staatlich anerkannte Forscherin).

² Staatliche Fakultät der Biologie und Wissenschaft von Galba.

Vorwort von Doktor Quai Kamba

Zu keiner Zeit hatte ich eine Schülerin oder einen Schüler, der schwieriger im Umgang war als Thera Willer. Stets erschien sie zu spät – oder schlicht überhaupt nicht zu meinen Vorlesungen und wenn sie dann doch einmal auftauchte, konnte man sicher sein, dass sie nach wenigen Minuten eine wichtige Nachricht auf ihrem Compad erhielt. ›Man hatte eine neue Ausgrabung bei Unabajan entdeckt; die Kanka impiri halten eine Vorlesung über unterdimensionale Lichtphänomene bei Itari‹ – solche Dinge bekam ich zu hören, wenn ich sie auf ihre Arbeitsmoral ansprach. Doch welche Energie lebte da in dieser jungen und talentierten Frau! Sie schien niemals zu ruhen oder zu schlafen und dabei strahlte sie eine Aura der Kraft aus, als könne sie allein mittels ihrer Motivation einer erkalteten Sonne neues Leben einhauchen.

Als sie zum ersten Mal in meiner Fakultät vorsprach, hatte sie ihren  kompletten zukünftigen Lebensweg längst geplant. Sie brauchte zu keinem Zeitpunkt einen Mentor oder einen Lehrer. Ihre autodidakte Art zu lernen machte so etwas überflüssig. Alles, was ich für sie tun konnte, waren ihr Tür und Tor zu den entsprechenden Wissensspeichern zu öffnen.

Heute, da ich selbst alt bin und meine eigene Sonne im Begriff ist zu verblassen, blicke ich auf die Zeit mit Thera als Schülerin zurück und erkenne die Wahrheit: stehts war sie es, die mich jung und am Leben hielt.

Thera Willer – ein Dank an meine Mentorin des Lebens

Niederdimensionale Singularitäts-Räume

Wie versteht man das absolut Unbegreifliche? Der erhabene Großmeister Qzun itigan¹ sagte in seiner Verständnislehre zum rationalen Götterweg:

 

»Wenn das Auge als Empfänger der Umgebung nicht
dienen kann, soll es geschlossen werden.
Wenn die Ohren nicht zu entschlüsseln vermögen was
sie hören, so sollen sie ebenfalls verschlossen werden.

Wenn der Geist nicht versteht was er um
sich hat, so möge man ihn erweitern.«

 

Wahrscheinlich wollte er damit sagen, dass man auf Sensorik verzichten kann, nicht aber auf das Gehirn und den Verstand, welche die eingehenden Eindrücke verarbeitet. In heutiger Zeit sollten wir in der Lage sein, unsere Wahrnehmungsprozesse immer weiter zu verbessern, um gar nicht erst in die Situation zu geraten, nicht mehr auf sie vertrauen zu können.

Karan-Xs2 beinhaltet X-Titanate mit physikalisch untypischem, linkskrümmenden Temperaturverlauf. Mittels dieser seltenen Schichtmaterialien ist es möglich, effiziente lineare thermische Sensoren zu bestücken. Durch das Nauronomische Prinzip der Funktionsgradierung können diese über einen langen Zeitraum stabil gehalten werden. Die so möglichen Langzeitmessungen machen es möglich, natürliche niederdimensionale Phänomene zu erfassen.

Bringt man nun Wasserstoff durch eine Plasmabehandlung in ein Halbleitermaterial ein, liegen die entstehenden Strukturen vorwiegend genau parallel zu kristallographischen Ebenen der Orientierungen. Die Existenz von wenigstens acht von solchen möglichen Kristallstrukturen ist bekannt. Mann erkennt sie an ihrer charakteristischen Dielektrizitätskonstante des Vakuums sowie an der zweidimensionalen Struktur des eingelagerten molekularen Wasserstoffs. Die fundamentale Eigenart der Strukturen, ist die Eigenschaft des innerhalb der Strukturen enthaltenen zweidimensionalen H2-Gases. Dabei ist vor allem der Phasenübergang des Wasserstoffs, die intermolekulare Wechselwirkung und die Wirkung des Gases mit Atomen des Wirtsgitters, von Interesse. 

Gelingt es, die Sphärenlanze über einen langen Zeitraum auf die Intermolekularmasse ausgerichtet und stabil zu halten, so ist es möglich, die zweidimensionalen Schallefekte anderer Normalräume aufzuzeichnen. Dieser Vorgang dauert mehrere Stabdardtage und wird beim Stand der derzeitigen technischen Möglichkeiten immer noch von starken Echoüberlagerungen begleitet. Dennoch sind die Messergebnisse in vielen Fällen von beeindruckender Genauigkeit.

Zusätzlich zu den Überlagerungen erzeugt man innerhalb der Schallefekte durch eine Art Ausschlussverfahren ein Abbild aller Subraumrisse in der Aufnahmezone. Nahe.Subraumtunnel werden sichtbar und Pfade können oft sogar vorausberechnet werden. Der gesamte Zwischenraum offenbart sich.


¹ Qzun itigan – Großmeister der Kanka impiri.

Bild: Blum

Der Nutzen der Zweidimensionalität

Eine der wohl ältesten menschlichen Ideen zur Visualisierung des Subraumes stammt vom Planeten Ochapon. Man stelle sich den Zwischenraum in seiner Zweidimensionalität als ein Blatt Papier vor, so die ochaponesischen Meister der Sternenkunde. Wenn man von einer Ecke des Blattes zu der ihr diagonal genau gegenüberliegenden misst, erhält man den längsten Vektor des Blattes. Wo aber verbirgt sich der Kürzeste?

Die tatsächlich kürzeste Strecke des Blattes ist der Weg von seiner Vorderseite zu seiner Rückseite. Weit Weniger als ein Millimeter wird sie messen und dabei spielen die Abmessungen des ganzen Blattes so gut wie überhaupt keine Rolle. Im Falle des Zwischenraumes herrscht absolute Niederdimensionalität. Es gibt also überhaupt keinen physikalisch messbaren Raum von der Oberseite zur Unterseite dieses Blattes. Dies ist die Basis der Zwischenraumkonvergenz: der Subraum – ein ganz und gar flaches Papierband in tausende von Windungen gelegt, derart dünn, dass die Entfernungen dazwischen sogar zu Fuß überbrückt werden könnten, durchzogen von düsterem Rissen und Öffnungen. Er ist die kürzeste Strecke für ein Raumschiff im Welltall. Doch um diese Dinge sichtbar zu machen, benötigt man eine weitreichende und äußerst genaue Sensorik und das universelle Verständnis für die kosmischen und feinstofflichen Spähren jenseits unserer physikalischen Vorstellungskraft.

Bild: Blum

Der Normalraum

»Um das Unmögliche verstehen zu können,
muss man es in eine mögliche Realität versetzen.«

Qzun itigan

 

Die Lehren der Physik scheitern wo letztere aufhört zu wirken. Es ist ratsam bei derart grundlegenden Wissensbereichen wie zum dem, der subnucleinen Lebensformen im Quantenbereich ganz am Anfang zu beginnen. Der Anfang der Physik ist in hier das Verständnis um den Normalraum. Was aber ist der Raum eigentlich? Ist er das Nichts? Das Fehlen von Licht und Masse?So verstehen wir im allgemeinen unter dem Normalraum die uns bekannten Dimensionen, in denen sich das Dasein abspielt. Sonnen strahlen ihr Licht aus, Planeten kühlen langsam ab und unzählige Lebensformen entstehen, kommen zur Blüte und – in den meisten Fällen – vergehen wieder. Doch diese Sichtweise des Normalraums ist ein wenig zu oberflächlich. Längst haben auch die Menschen, nach den Lehren der Kanka impiri erkannt, dass es neben unserem Normalraum unendlich viele weitere Normalräume gibt. Diese Seitenlinien weichen vom uns nahen Raum immer stärker ab, je weiter wir uns von ihnen entfernt befinden. Paralelluniversen nannte man dies noch vor kurzem. Etwa Dreiundzwanzig Schichten weiter nach rechts und die Menschheit wäre nie von den Smavari (oder den Vorlesen) über das Suna-Kollonial-Territorium verbreitet worden. Alternativ wäre die große Donna Cartha¹ als Mann zur Welt gekommen.

Wie kann man die anderen Normalräume beweisen und ist es möglich, ihre Anzahl zu verifizieren? Wir sprechen hier von weit mehr als einfachen Theorien. Die Hochleistungs-Sphären-Lanzen der Kanka impiri konnten schon Überlagerungsschatten darzustellen, als die Menschheit noch darüber nachdachte ob es wirkungsvoll sein könnte, ihre Kiemen abzulegen und an Land zu kriechen. Es gibt digitale Aufzeichnungen der Chentai von Mirthas`Eysmi, die von geistigen Transzendenzverfahren berichten, nach denen es Qaluqane-Meistern vor tausenden von Standardjahren gelungen ist, in andere Erfahrungsebenen einzudringen und ihre Erkenntnisse auf ihren Datenkristallen festzuhalten ohne dabei ihren Verstand zu verlieren².

Warum ist es nun nicht möglich, einfach aus dem einen Raum in den anderen hinüber zu wechseln? Dies liegt in erster Linie an den Sphären, die unseren Raum umgeben. Sie sind äußerst zäh und vermeiden glücklicherweise nahezu alle Formen von interdimensionalen Paradoxen. Nicht auszudenken, was alles passieren würde, wenn es uns gelänge, aus unserer Realität in eine danebenliegende zu treten. Wir würden uns eventuell selbst begegnen und mit Schrecken erkennen, dass wir dort drüben der oberste Befehlshaber der Kirner Streitmächte sind, während wir zu Hause einfach nur Karbrutsch verkaufen. Aber Spaß beiseite – um zu verstehen, wie das Universum aufgebaut ist, müssen alle Arten von Räumen beleuchtet werden. So gibt es drei Arten, derzeit von uns nachweisbaren Räumen:

  1. Den Normalraum mit den für uns als normal geltenden physischen Konstanten.
  2. Den Zwischenraum, eine feinstoffliche Welt ohne genau definierte Realitätsbezüge.
  3. Die Membran zwischen diesen beiden physikalischen und feinstofflichen Orten, die eine Berührung von linearer und nichtlinearer Realität verhindert und somit das äußerst empfindliche Sphärengleichgewicht konstant hält.

¹ Donna Cartha, die Arune von Jakovnies – eine berühmte Sonariensängerin von Kirn 8.

² Als Quellen seien hier die Mondkristalle der Qaluqan und die ›Eintausend Schriften‹ der Kanka impiri genannt.

Bild: Blum

Diese Grafik zeigt multiple Normalräume nach MC Gregan Pantschuri. Die dunklen Bereiche bilden den Normalraum, getrennt durch Zwischenräume, die von ihrer Membran umgebenden werden. Die Theorie der Normalraumschichtung nebeneinanderliegender Scheiben, die einen Kreis bilden und somit endlich wären, war bei prä-t-ist-wissenschaftlichen Ansätzen weit verbreitet. Wahr-scheinlicher ist aber eine sich endlos ausdehnende Matrix, ähnlich eines DNA-Stranges.

Der Zwischenraum

Die wahrscheinlich ältesten erhaltenen Aufzeichnungen über Zwischenraumöffnungen stammen aus den pBnezari-Quarzen der zweiten Epoche Uraçezins. Als man diese altertümlichen Speichermedien fand und entschlüsselte sprachen ihre drei Verfasser von schrecklichen Kriegen auf ihrer Heimatwelt Uraçezin. Insgesamt acht mächtige Kulturen stritten sich um die Rohstoffe des Planeten und seinen neunzehn Trabanten. Diese Konflikte zogen sich über viele Standardjahrhunderte dahin und gingen Sj -314.039.999 in den Vierten Galaktischen Krieg über. Die Sumi, eines der Völker Uraçezins, entdeckten in der Nähe des siebten Trabanten namens Kulbai rein zufällig eine vermeintliche Raumanomalie¹. Es handelte sich hierbei um ein etwa drei Meter durchmessendes Loch im Weltall, welches in eine Art violett wabernden Schacht zu führen schien. Einer der Kosmonauten stieß seine Lanze in das Loch und wurde samt seiner Waffe verschluckt.

Die Sumi errichteten kurzerhand eine Station auf Kulbai, ein Kult entstand und die ersten Expeditionen wurden in das neu entdeckte Dazwischen entsandt. Die Streitigkeiten auf  auf Uraçezin wurden beigelegt. Die Vorstellung, in eine andere Dimension reisen zu können, versetzte die Sumi und all ihre Nachbarvölker in eine religiöse Begeisterung. Leider war dies kein Grund für äußerer Kräfte sich nicht einzumischen.

All dies ereignete sich vor mehr als 27 Millionen IGAj². Die Spezies der Sumi ist längst untergegangen. Nur ihre Kristall-Aufzeichnungen künden von ihren Taten und Erkenntnissen. Und dennoch – was damals, vor so langer Zeit geschah, war nichts anderes, als ein Zwischenraumpfad, der sich willkürlich öffnete und wieder verschwand.


¹ Die Reihenfolge dieser Erzeugnisse ist nicht klar feststellbar. Es ist durchaus möglich, dass die unabsichtliche Entdeckung der Sumi ihre planetaren Auseinandersetzungen überhaupt erst auf das Ausmaß des Vierten Galaktischen Krieges ausweitete.

² Etwas über 314 Millionen Standardjahre.

 

»Es ist einfacher, den Kosmos zu verstehen,
als die eigene Ehefrau.«

Sprichwort der Kirn

 

Was aber ist nun der Zwischenraum? Viele Generationen von Gelehrten haben sich über diese Frage die Köpfe zerbrochen und es wurden sogar Kriege um sie geführt. Man behandelt dieses Thema geradeso wie die Fragen um das Dasein nach dem Tod und die Erschaffer des Multiversums. Eine entgültige Antwort werden wir wohl zu keinem dieser Themen erhalten.

Die wahrscheinlichste Idee zu dieser fremdartigen Dimension ist die, eines tatsächlichen, physikalischen Raumes, der den Normalraum ummantelt. Die Verfechter dieser Theorie gehen wie schon beschrieben von einer Vielzahl von Dimensionen aus. Diese Dimensionen unterscheiden sich kaum von einander. Man sieht sie als Lagen der selben oder zumindest sehr ähnlichen physikalischen Welten, welche über- oder ineinander liegen, sich jedoch physikalisch nicht berühren. Ihre Atome schwingen in unterschiedlichen Mustern und sind so füreinander in der Regel unsichtbar. Allerdings liegen sie keineswegs in einem Nichts. Stattdessen sind sie in einen speziellen, feinstofflichen Subraum, den Zwischenraum eingebettet.

Findet man eine Öffnung in diese Anderwelt, wie zum Beispiel einen sogenannten Pfad oder Tunnel (auch Wurmloch genannt), oder es gelingt sogar ein künstliches Tor zu errichten (welches dann eigenständig einen Tunnel erzeugt), so kann man in den Zwischenraum eindringen, die eigene Realität verlassen und sich die hier vorherrschenden nichtlinearen physikalischen Gesetze zunutze machen. Doch der Subraum ist alles andere als ungefährlich. Er muss mit äußerster Weisheit und Vorsicht behandelt werden.

Bild: Blum

Die Regel der Blindheit

Die wichtigste Regel des Dazwischen ist, es nicht zur Gänze verstehen oder gar mit eigenen Augen sehen zu wollen. Die ersten Schiffe, die in den Subraum hinüber drangen, kannten noch nicht die Regel der Blindheit. Sie gingen sehenden Auges in die Ewigkeit des Todes über. Es war wichtig zu begreifen, dass normalsterbliche Kosmonauten nicht ungestraft in den Subraum mit offenen Augen eintreten können. Nur Raumschiffe mit ausgeschalteten Sensoren und abgeschotteten Sichtluken können ihn bereisen. Jedewede Versuche, den Zwischenraum zu sehen – sei es mit Sensoren, Kameras oder ganz anderen Wahrnehmungsmöglichkeiten – scheiterten mit dem Verlust der Schiffe. Sie verschwanden im Nichts und kamen niemals bei ihrem designierten Austrittsort an. Es ist nicht bekannt, was aus ihnen wurde. Nur wer die Regel der Blindheit einhält, kann im Dazwischen reisen.

Bild: Blum

Die Grauen Wächter

Der Zwischenraum ist keineswegs leer. So berichten Reisende von schweren Zusammenstößen und viele Raumschiffrümpfe bezeugen mit Dellen und Rissen die Richtigkeit dieser Aussage. Manche sagen, der Zwischenraum wäre erfüllt von den vielen Schiffswracks vorangegangener Reisen. Dies kann durchaus stimmen, doch aktuelle Untersuchungen mit modernen Sonden und Messwerkzeugen analysieren die gerammten Materialien genauer und offenbaren immer wieder Spuren von organischer Materie. Der Subraum ist zweifellos belebt. Er ist erfüllt von gewaltigen Kreaturen, welche von den Raumschiffen angelockt werden und dann ihrerseits aus dem Dazwischen in Pfade und Tunnel eindringen und so Unfälle verursachen.

Ein wenig genaueres kann man eine bestimmte Lebensform des Dazwischen beschreiben: die sogenannten Grauen Wächter. Springt ein Schiff ohne Tor und Tunnel, also schutzlos in den Zwischenraum, oder berührt es versehentlich die Membran, so dringen diese Wesen feinstofflich (niederdimensional) durch die dicksten Außenhüllen und greifen gierig nach dem darin eingestiegen Leben. Sie erscheinen grau und durchscheinend und werden als quallenartige Tentakelwesen beschrieben. 

Wenige haben einen Einbruch der Grauen Wächter überlebt. Was sie genau wollen ist unklar, doch sie ernähren sich ganz sicher von der Lebensenergie der Reisenden, derer sie habhaft werden können. Ob es möglich ist, sie mit physischen Waffen außer Gefecht zu setzen, steht ebenfalls in Frage. Zumindest ist derzeit kein Fall bekannt, indem eines dieser kosmischen Schrecken verletzt oder gar getötet worden wäre.

Öffnungen im Raum

Wie genau gelangt man in den Zwischenraum? Normalerweise sind die Sphären strikt voneinander getrennt. Normalraum und Dazwischen berühren sich nicht und haben auch keinen Bezug zueinander. Beide kosmischen Prinzipien koexistieren ohne für uns bemerkenswerte Reagenz. Wären da nicht die Turbulenzen und unter den oben beschriebenen Bedingungen messbaren Vakuumausdehnungen in der Membran, die sie getrennt hält, wir wüssten nichts über den Subraum. Doch ab und an kommt es zu den sogenannten Reibungsemmissionen. Das Multiversum ist kein starrer Ort. So wie der Weltraum sich ausdehnt, dreht und windet es sich, gepeitscht von den Stürmen aus Zeit und Massekonvergenzen. Bei besonders heftigen Bewegungen kann es vorkommen, dass die Membran so stark beansprucht wird, dass sie feine Risse bekommt. Man stelle sich dies ein wenig wie die Gallertmasse zwischen den Bandscheiben vor. Kommt es zu solch einem Riss, entsteht sofort ein Ausgleich an einer anderen Stelle. Wie bei einem Blitz gibt es immer einen Anfang und ein Ende. Zwischen diesen Öffnungen bildet sich ein Pfad.

IST-Antriebe

Der sogenannte IST-Antrieb (Inner Space Transitions-Antrieb) macht es Raumschiffen überhaupt erst möglich, in die zähe Membran zwischen Normalraum und Subraum einzudringen und sich dort mit relativer extrem hoher Geschwindigkeit ohne Rücksicht auf Masse und Zeit zu bewegen. Es handelt sich hier jedoch nicht um eine Form des Überlichtgeschwindigkeitfluges, sondern um eine, wie weiter oben beschriebe, Verkürzung von Vektoren. Darum nennen wir diese Art der Reise auch einen Sprung und keinen Flug.

Erst mit der Erfindung des IST-Antriebes wurde es den Völkern der Galaxis überhaupt möglich, Entfernungen zwischen den Sonnensystemen zu Lebzeiten der Besatzung¹ zurückzulegen. Generell können IST-Antriebe nur weit entfernt der Gravitation von Systemen gefahrlos genutzt werden. Alle Versuche, einen IST-Antrieb auf einem Planeten oder in der Nähe einer Sonne zu zünden, enden in Zwischenraumkatastrophen.

Bild: Blum

Hier ist gut zu erkennen, dass sich Pfade nur innerhalb der Membran bilden und das Raumschiff sich an eine der, durch die Energiekanäle polarisierten Ionenflussrichtungen heftet.

 

Die Funktionsweise des IST-Antriebed basiert auf dem Prinzip des magnetischen Umkehrfeldes. Tritt Flussenergie aus dem Zwischenraum in einen Pfad aus, kommt es immer unmittelbar zu einer Kreiselströmung in beide Richtungen des Phänomens. Der IST-Antrieb erzeugt nun einen polarisierten Schild um das ganze Schiff, welcher entweder in den Ionensturm des einen oder des anderen Pfadendes gezogen wird und gleichzeitig die Hülle vor den herrschenden Gravitationskräften schützt.


¹ Die einzige Alternative hierzu waren Flüge in Stase, bei denen die Besatzung schlief und somit zum Teil endlos viel Zeit verlor. Ihr Bezug zu ihrer Startzeit ging nahezu immer ganz und gar verloren. Auftraggeber, Vorgesetzte und Familien verloren sich in der Zeit während der Reisen der Kosmonauten und machten oft eine Heimkehr überflüssig.

Reisen durch die Unterwelt

Erst als die Kazaar das große Tor von Kruk`Hy-Kaz bauten und so Ank Baran mit ihrem Heimatplaneten verbanden, erkannte man die Wechselwirkung von Schiffen, die ohne Tunnel in den Zwischenraum eindrangen und jenen, die mit Tunneln reisten. Vorher verloren viele weltraumreisende Völker ihre Schiffe an die Gefahren der Anderwelt. Öffnet ein Schiff selbstständig einen Riss zwischen dem Normalraum und der Membran des Dazwischens, wird es ohne die schützende Haut eines Pfades oder Tunnels auf die andere Seite gezogen. Es wird in das Vakuum der grauen Sphäre gesaugt und bewegt sich nun frei im Zwischenraum. Eine Schiffsbesatzung, die dieses Risiko eingeht, hat nur wenige Möglichkeiten zur Navigation. Selbst die besten Sphärenlanzen und Zwischenraumabtaster versagen in einem solchen Fall. 

Da sich das Dazwischen weder zeitlich noch physikalisch linear erstreckt, ist es praktisch unmöglich, auf diese Weise an sein Ziel zu gelangen. Mehr als komplizierte quantennavigatorische Raumkrümmungsberechnungen sind notwendig, um bei einem solchen Flug auch nur annähernd an der gewünschten Position auszutreten. Ferner wirkt ein Schiff, welches ohne Pfad und Tunnel reist, wie ein Leuchtfeuer in der Ewigkeit. Die Wächter und verrichten ihr schreckliches Werk. Es gibt keine einzige Aufzeichnung moderner raumfahrender Kulturen, welche die Praxis des Durchfluges der Membran ohne Pfad oder Tunnel dokumentiert, doch zumindest der Sage nach, soll den Smavari dieses Kunststück gelungen sein.

Pfade

Bei diesen Raumöffnungen handelt es sich um zyklische oder unregelmäßig entstehende und sich wieder auflösende, ganz natürliche Verbindungen zwischen zwei Punkten in Raum und Zeit. Häufig reichen sie nur wenige Quadranten weit und nur in seltenen Fällen bleiben sie länger als ein Dutzend Standardtage bestehen. Pfade reichen nur in die Membran hinein. An ihrem am weitesten an den Zwischenraum reichenden Bogenrücken bilden sie sogenannte Energiekanäle aus, die vom Dazwischen – ähnlich einem athmosphärischen Blitz – angezogen werden. Wo sie auftreffen kommt es zu winzigen Öffnungen, aus denen Energie austritt. Diese Flussenergie nutzen die IST-Antriebe von Raumschiffen, um sich innerhalb von Pfaden zu bewegen.

Benutzt man einen Pfad, so kann man niemals mehr als einen Quadranten pro Standardtag zurücklegen. Außerdem kann es vorkommen, dass gerade kein Pfad zur Verfügung steht und man tagelang warten muss bis sich ein neuer bildet. Dennoch gibt es Milliarden solcher potentieller Reisewege und es ist leicht möglich, diese mit Langstreckensensoren vorauszusehen. Hat man einen Pfad geortet der in die Zielrichtung führt, muss es noch gelingen, das Subraumtriebwerke darauf einzustellen, um sich in ihm fortbewegen zu können. Auch kann es sein, dass der Pfad zwar vorhanden ist, sich aber nicht von selbst in den Normalraum öffnet. Auch in einem solchen Fall wird der IST-Antrieb benötigt, in die Membran einzudringen und so die Reise zu ermöglichen.

Bild: Blum

In der Vergrößerung sind hier deutlich die Energiekanäle, die von der Außenhaut des Passes in den Zwischenraum münden zu erkennen. Sie versorgen den ganzen Pfad mit Flussenergie.

 

Bewegt man sich mittels kurzlebiger Pfade durch die Galaxie, hat dies entscheidende Nachteile. Einerseits sind die Kosten gering, da man keine Sprungmaterialien¹ benötigt, aber dafür dauert die Reise im Verhältnis zu Sprüngen durch den Subraum ungleich lange und sind mit schrecklichen Gefahren verbunden. Hinzu kommt die Unzuverlässigkeit der Entstehung von Pfaden, die in die gewünschte Richtung führen. Kollabiert ein Pfad in der Zeit des Durchfluges, findet sich das Schiff ungeschützt in der Membran wieder. Hier hat es keinen Bezug zu irgend einer Realität und verliert sich sofort in Raum und Zeit. Was genau mit solchen Schiffen geschieht kann nur theoretisch erfasst werden. Eventuell gehen sie in einer Art physischer Konvergenz in eine feinstoffliche Form über und werden eins mit der Idee der Unendlichkeit. Ein zurück gibt es in jedem Fall nicht.

Historisch gesehen gab es nur sehr wenige Kulturen, die sich längerfristig auf diese Art der Fortbewegung durch das All einließen. Immerhin besteht eine Chance von eins zu sechs, dass sich ein Pfad während der Dauer des Durchfluges auflöst. Der Verschleiß von Schiffen und deren Besatzung stünde wohl kaum im Verhältnis zum generellen Nutzen kosmischer Reisen. Ein gewagter Sprung durch einen Pfad könnte bestenfalls als Fluchtmanöver vor grimmigen Weltraumpiraten gerechtfertigt werden. Nahezu alle bekannten Völker der IGA und der SUKOT gingen innerhalb kürzester Zeit zu Sprüngen durch natürliche Tunnel über.


¹ Hierbei handelt es sich um spezielle Betriebsmittel, die zur Nutzung von T-IST-Antrieben benötigt werden. Sie sind sehr teuer und ihre Herstellung dauert darüber hinaus oft lange.

Tunnel

Ganz das Gegenteil der sprunghaften Pfade in der Menbran sind Tunnel natürliche Verbindungen, die stabil innerhalb des Subraums von einem Punkt in der Galaxie zu einem anderen führen. Viele Wissenschaftler gehen von der Galmaren-Theorie aus, welche die Herkunft von Tunneln in stagnierenden und sich depolarisierenden Pfaden sehen, die sich im Laufe der Zeit aus der Membran in den angrenzende Zwischenraum verlagert haben. Marguid Galmaren, ein angesehener Weiser der Q-Kau¹ von Galuba Prime, entdeckte durch Subraumlanzenmessungen eine Art Narbenbildung an den Wänden von Tunneln. Hieraus schloss er, dass sich an diesen Orten vor vielen Standardjahren Energiekanäle befunden haben müssen. Er folgert weiter, dass sich diese früheren Durchlässe mit dem kompletten Eindringen des Pfades in den Zwischenraum und seiner Ablösung von der Membran zurückgebildet haben. Danach expandierten seiner Meinung nach die schlachähnlichen Energiebündel und wurden zu dauerhaften Tunneln. Tatsächlich berührt keine.bekannter Tunnel die Membran. Die in ihnen herrschende Flussenergie wird über die komplette Tunnelwand übertragen und facht die Ionenstürme zu größter Effizienz an. Innerhalb eines Tunnels schafft ein Raumschiff oft mehrere Quadranten pro Tag. Sie haben keine dauerhafte natürliche Öffnungen und müssen mit einem sogenannten T-IST-Antrieb² geöffnet werden. Dieser wird mit speziellen Materialien befeuert, die im Regelfall sehr teuer sind. Die meisten T-IST-Antriebe benötigen Treibmittel mit einem hohen Quecksilberanteil, eine Ressource, um die schon unzählige Kriege geführt wurden.

Der wohl größte Vorteil von Tunneln ist die zum Teil geradezu gigantische Distanz, die man durch ihn überbrücken kann und seine dauerhafte Verfügbarkeit. Ein Nebeneffekt von Tunnel ist die häufigere Entstehung von Pfaden an ihrer Außenseite.

Es gibt eine Menge verschiedener Ansätze zu T-IST-Antrieben. Die im Sektor der SUKOT über eine lange Zeit gebräuchlichste Bauart war das Rückwurfkammertriebwerk der Tmene und die mit Wolfram betriebene Phasenbrücke der Vorlesen. Später erfanden die Ifpegen ihre Flüssigkern-Hyperdrives. Allerdings benötigen sie dafür auch heute noch das Isotop Antanium 23, ein seltenes und teures Material, dass im Sektor der SUKOT nur in den Vulkanebenen Daruvas zu finden ist. Die modernen Spiegeltürme, wie sie die Kirn und viele anderen menschlichen Kulturen nutzen, wurden viel später und nach smavarischem Vorbild entwickelt. Sie kosten im Unterhalt am wenigsten. Die Völker der IGA verwenden ganz unterschiedliche Antriebe und Sprungmaterialien. Bekannt sind hier vor allem die günstigen Rot-Reflektoren der Bandonta, antarische Wechseltürme und die mir Wasser gefüllten Prismenantriebe der Utjanthen, die ebenfalls mit Antanium 23 laufen.


¹ Bei den Q-Kau von Galuba Prime handelt es sich um eine Gilde von Wissenschaftlern des Staates Mauga`dim.

² Tunnel-Innerspace-Transition-Antrieb.

Künstliche Tore

Nachdem die Wissenschaft verstanden hatte, wie natürliche Tunnel entstehen und wodurch sie stabil gehalten werden, begann man immer größere Maschinen zu entwickeln, die den Übergang in den Subraum möglich machen sollten. Allerdings ist diese Technik unglaublich teuer und aufwändig. Reisen duch künstliche Tunnel kosten daher in den meisten Fällen mehr, als sich so mancher Raumschiffkomandant leisten kann. Doch gerade darum sind sie begehrt. Natürliche Tunnel haben oft extreme Wartezeiten, da der Verkehr zwischen den Welten sehr hoch ist. Wer es sich also leisten kann, nutz künstliche Tore für seine Sprünge und verzichtet auf die häufig mehrere Standardtage lange Wartezeiten.

Hat man einen Sternennavigator oder selbst die Fähigkeit der Sternennavigation und einen fähigen Framer, kann man bei einigen künstlichen Toren den Eintritt in den Zwischenraum und den entstehenden Tunnel ohne das Zutun der örtlichen Administration einleiten. In der Regel beschränkt das Militär der Regierung, in dessen Einflussbereich sich das Tor (oder künstliche Tore) befindet, dessen Nutzung. Hier kommen nicht selten schwerste Verteidigungsstationen, Kriegsschiffe und Minenteppiche zum Einsatz. Da der Wert eines Tores nicht zu bemessen ist, ist kein Preis für seinen Schutz zu hoch; sei es aus Gründen der Anbindung an andere Zivilisationen oder des Austausches von Rohstoff-Ex- und Import.

Die ersten künstlichen Tore – auch Hyperraumtore genannt – waren klein und konnten nur unter Aufbringung exorbitanter Energiemengen etabliert werden. Das erste Hyperraumschiff der Sumi zum Beispiel maß gerade einmal zwei Meter in der Länge und hatte einen Durchmesser von knapp anderthalb Metern¹. Der Torring, eine komplizierte Vorrichtung, mit der es den Sumi gelang einen künstlichen Tunnel² zwischen ihrem System und dem Nachbarsystem Ule zu etablieren, hatte einen Durchmesser von knapp zweieinhalb Metern und verbrauchte pro Minute die Energiemengen einer modernen Megacivic. Kristallaufzeichungen zufolge ging der Pilot, der ihn aus erster durchflog, wie so viele nach ihm, im Zwischenraum verloren.

Nach und nach bauten die verschiedenen Völker gewaltige Tore, durch die auch die mächtigsten Sternenschiffe fliegen konnten. Allen voran stand hier die Technik der Smavari und die der Gorden. Allein das große Tor bei Mirthas`Eysmi hatte einen Durchmesser von über siebentausend Metern und konnte dank seines Schwarzkern-Generators unbegrenzt geöffnet bleiben. Die Smavari richteten es auf wenigstens acht andere Tore aus, um so verschiedene Tunnel ins Dazwischen zu reißen.

Die Funktionsweise von künstlichen Toren ist zwar durchaus unterschiedlich, aber die meisten von ihnen werden heute in der Regel mit MFRs³ betrieben und laufen unentwegt Gefahr eine Tritium oder Deuterium-Tritium Reaktion hervorzurufen.  Die modernen Tore der Suna-Kollonial-Territorien haben nicht im Entferntesten die Leistungsfähigkeit des gewaltigen und eleganten Mirthas`Eysmi Karuntschai⁴. Dennoch können auch sie Durchmesser von Viertausend Metern und mehr erreichen und mehrmals pro Standardtag geöffnet werden, um Kolosse wie die MI1 Partenko passieren zu lassen.

Bild: Blum

Viele der uralten smavarischen Torringe hatten gigantische Ausmaße und funktionierten mithilfe von wissenschaftlichen Errungenschaften, die heute zum Großteil in Vergessenheit geraten sind.

 

Künstliche Tore heften sich an die Membran des Normalraums und senden einen Sphärenstrahl hindurch, bis in den Subraum. Ähnlich wie bei den Energiekanäle von Pfaden wird der Strahl vom Gegenstück des Tores angezogen, erweitert binnen von Minuten den Zwischenraum zu einem dünnen Schlauch und etabliert schließlich einen Tunnel. Dann bricht die Membran auf und der Riss wird von der Kontur des Todes (meist rund) zur Durchfahrt eines Schiffes aufrecht gehalten. Allein dieser letzte Vorgang verbraucht unglaubliche Mengen an Energie.


¹ Die Sumi waren ein körperlich kleines Volk. Der Astronaut maß gerade einmal 0,6 Meter, doch er hatte wegen all der Maschinen und Messvorrichtungen, die man in seinem Schiff installiert hatte, kaum Platz.

² Der künstliche Tunnel verlief parallel zu einem natürlichen Tunnel, denn sonst wäre es denn Sumi unmöglich gewesen, das Torgegenstück nach Ule zu befördern. Allerdings befand sich das Tor unmittelbar in der Nähe ihrer eigenen Systemsonne und konnte schnell mit ihren Schiffen erreicht werden.

³ Mercury Fusion Reactor – eine sehr teure Technik, die nur mit sehr viel Quecksilber am Laufen gehalten werden kann.

⁴ Das große Tor bei Mirthas`Eysmi, der Reichssitz der Smavari.

Kontakt mit der Anderwelt

Nur wenigen Reisenden war es beschieden, einen Kontakt im Zwischenraum zu überleben und noch wenigeren unter ihnen blieben schreckliche Spätfolgen erspart. Wahnsinn und Suizid haften an solchen Unglücklichen wie der permanente Fluch eines rachsüchtigen Gottes. Ein Beispiel für solch einen fürchterlichen Fall bietet die letzte Fahrt der CSS Bilata.

Der kleine Personentransporter der Conos Klasse unterstand der Handelsmarine von sND mit einem gültigen Eignereintrag der SunTrans OC Incoperated unter der Leitung von CEO Sansa Calm. Nach einem Routinesprung nach Cemo 4 befand sich der Transporter auf dem Weg zurück nach siva`s ND. Da die Bilata über einen T-IST-Antrieb der Klasse 3 von THOne¹ verfügte, benötigte sie für den Sprung von 4,5 Q ca. 13,5 Standardtage. An Bord befanden sich neben 178 Passagiere drei Mitglieder des Wartungspersonals der STOCI. Es gab wie üblich für diese Art der Linienschiffe keinen Kapitän auf der Brücke. Der Flug lag ganz in der Hand der Schiffs-KI². Niemand ahnte etwas von der schrecklichen Gefahr, in der sich alle seit dem Beginn des Fluges befanden. Spätere Recherchen und Untersuchungen der Schiffsnavigation und der Hülle und eingehende Befragungen der KI ergaben ein technisches Versagen der Kurzstrecken-Sphären-Lanze 11a. Seit ihrem Stapellauf in Hasamaschant, siva`s ND-Raumhafen AT1 waren mehr als 106 Standardjahre vergangen. Der Transporter war zwar in gutem Zustand, aber dennoch alt. Einer der Nebenenergiekolben des Lanzen-GA³ war durch eine fehlerhafte Torgenmembrandichtung auf Sub-Zero gefallen. Im gefrorenen Zustand konnte er die Antenne nicht korrekt ausrichten. Der zentrale Rechenkern des Schiffes entschied bedauerlicherweise, dass die minimale Abweichung von 0,0107° Gährung nicht regulierungsbedürftig wäre. Die KI interpretierte die gemessene Differenz als absolut akzeptabel und innerhalb statistischer Toleranzen und stufte Lanze 11a für den restlichen Flug als voll funktionstauglich ein. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.

Zur Standardflugstunde 14,317 akzeptierte die KI eine von der Navigationslanze fehlerhaft vorgelegte Kurskorrektur. Lanze 11a hatte unter den mathematisch abweichenden Bedingungen einen falschen Winkel an die Navigation weitergeben. Doch die minimale Kursänderung führte dazu, dass ein Teil der oberen Schiffshülle zuerst den Tunnelrand streifte und dann langsam in die Membran drang. Laut späteren Augenzeugenberichten bemerkten die Passagiere zuerst nur ein leichtes Rütteln und Summen; die Schiffsbegleiter, die sich näher an den Phänomen befanden hingegen, waren den Schiffsaufzeichnungen zufolge auf der Stelle tot. Sie hatten sich zum Zeitpunkt des Unfalls ein Deck über den Passagierräumen befunden und waren sofort in den Einflussbereich der Grauen Wächter geraten. Etwa zwanzig Minuten nach dem Unglück reichte die Membran auch in den Passagierbereich und begann sich immer weiter abzusenken.


¹ Tsunami Hyperdrive One.

² Künstliche Intelligenz. Schiffe verfügen über ein Bewusstsein.

³ Gyroskop-Antrieb, eine Art eigenständiger Motor, welcher die Antenne physikalisch ausrichtet.

 

Augenzeugenbericht › Candi pani Noth von siva`s ND, taktische Verlaufsberaterin Interplanetarer Transaktionen, Schwerpunkt Konzernrecht. Ihre achteinhalbstandardjährige Ausbildung an der sND Vyiavsayik Uch Vidyailay in Vehuna und das daraufhin folgende Studium der drei Straßen des Ganesh machten sie zu einer der besten taktischen Verlaufsberaterinnen ihres Faches. Zum Zeitpunkt ihrer Aussage ist von dieser starken Frau nichts übrig geblieben als eine Hülle kalter Angst.

 

»Wir hörten dieses schreckliche Kreischen – als ob das Schiff selbst Schmerzen hätte. Dann sah ich von meinem Sitz aus an die Decke und bemerkte die halbtransparente graue Substanz, die sich dort gebildet hatte. Wie eine schmutzige Flüssigkeit breitete sich das Zeug in einem flachen Winkel über uns aus und kam langsam herunter. Es war, als fülle sich das Deck mit Wasser und die Schwerkraftgeneratoren wären zur falschen Seite ausgerichtet gewesen. Aber die Schwerkraft war intakt. Dieser graue Alptraum gehorchte ihr nur nicht. Es gab keinerlei Information von den Schiffsbegleitern. Niemand wusste, was geschehen war. Später erfuhr ich von einem der Verhörleiter auf sND, dass diese Leute schon tot waren, als die Tunnelwand zu uns herunter kam, weil der Transporter ja immer weiter in die Membran eindrang.

Ich befand mich hinten. Durch den Einflugwinkel des Schiffes in die Tunnelwand bedingt, war das vordere Casinoabteil als erstes betroffen. Die Passagiere dort schrien und wir konnten durch die offenen Deckschleusen den Aufruhr sehen. Warum schlossen sich diese verdammten Schleusen nicht wenigstens?

Es dauerte nur wenige Minuten, da trat die Veränderung ein. Ich erinnere mich an einen der Männer, der als erstes nach hinten gerannt kam. Er war die Treppe zu den Sanitärräumen hinunter gestürzt, aber nach kurzer Zeit kam er wieder zurück. Sein Hemd war zerrissen und seine Augen glommen in eisigem blau. Dann öffnete er seinen Mund und ich musste mit ansehen, wie er drei Sitzreihen vor mir einer Frau in den Arm biss. Er riss ihr ein Stück Fleisch aus dem Arm. Überall war Blut. Ich schrie vor Entsetzen. Zwei beherzte Passagiere stürzten sich auf den Mann, aber da kamen schon weitere Infizierte.von vorn. Sie stießen schrille unmenschliche Schreie aus und griffen uns wahllos an. Über uns kam die wabernde Membran näher und näher. Das Chaos war unbeschreiblich …«

 

Augenzeugenbericht › Yod`dha Safeda von siva`s ND, goldener Kriegsmeister des dritten Grades, ausgebildet von Meistern der geheimen Schule von Pan. Zum Zeitpunkt des Fluges war er ein Mitglied des Vecura Corps. Seine Mission und Stellung an Bord unterliegt der millitärischen Geheimhaltung.

 

»Nachdem es begonnen hatte, hielt ich das Überleben auch nur eines einzigen Passagiers für unmöglich. Alle um mich herum verwandelten sich in wenigen Minuten in reißende Bestien und es war unmöglich vorherzusagen, wer von ihnen schon infiziert war und wer nicht. Alles geschah auf engstem Raum. Es war nahezu unmöglich, sich zu bewegen. Die Sitzreihen hinderten meine Mannschaft und mich daran, uns zu formieren. 

Sam Hammer, mein Feuerwaffenspezialist und einer meiner besten Freunde, verwandelte sich vor meinen Augen in eine Bestie. Eine Frau, eine Furie mit rotem Haar und ausgerenktem Unterkiefer, hatte ihm mit ihren lackierten Nägeln vier Kratzer an der Wange beigebracht. Sofort versuchte er mich zu greifen, verhedderte sich aber zum Glück zwischen den Sitzlehnen. Ich hörte das scharfe Knacken seiner Wirbel, als ich ihn hart nach hinten stieß, er aber eingeklemmt, nicht weichen konnte. Sein Bein war gebrochen, aber er schrie nicht. Er sah mich nur mit leeren Augen an.

Meine Gruppe verschanzte sich im hinteren Abteil, aber was sollten wir gegen die von oben heranrückende Tunnelwand machen? Sie kam immer näher und an ihrem Winkel war zu erkennen, dass sie den vorderen Bereich komplett des Schiffes eingeschlossen haben musste. Immer mehr Infizierte strömten zu uns nach hinten. Es gelang uns, mehrere der Sitze aus ihren Verankerungen zu lösen und so eine Notbarriere zu schaffen, doch der Ansturm wurde immer schlimmer. Ich beschloss die Waffen aus den Sicherheitsbehältern zu holen. Die Infizierten hatten kaum noch etwas menschliches an sich und doch waren sie Menschen. Wir waren ausgebildete Soldaten, Agenten des Corps. Wir hatten gelernt abzudrücken. Aber diese Leute waren Zivilisten, keine militärischen Ziele. Schlussendlich siegte mein Selbsterhaltungstrieb. Ich wurde ein Dutzend mal gekratzt und wenigstens zweimal gebissen. Nur der Tänzer¹ weiß, warum ich mich nicht den Reihen der Bestien anschloss.«


¹ siva, der tanzende Gott der Vernichtung und Auferstehung.

 

Augenzeugenbericht › Toneé ›Packer‹ Carbasione von siva`s ND arbeitete acht Standardjahre auf Cemo 4 unter Tage in einer Mine. Diese Zeit führte zur Scheidung von Uumo Carbasione. Sein Baby hatte der nie zu Gesicht bekommen. Jetzt wollte er alles in Ordnung bringen, sein kleines Mädchen Baga an ihrem Geburtstag umarmen und nachholen, was er vorher versäumt hatte. Toneé stammte ursprünglich von den Kimainda-Inseln auf sND. Seine Eltern waren Bergwerksingenieure und er tat es ihnen gleich. Mit den bunten Skysurfern seiner Heimatkultur hat er nichts gemein. Er ist ein ruhiger starker Mann, doch in seinen Augen kann man die Veränderung erkennen, die er an Bord der Bilata erfahren hat.

 

»Nach einer Weile war die Tunnelwand bis knapp über unsere Köpfe herunter gewandert. Sie schrien und kämpften um mich herum. Soldaten schossen plötzlich. Da krümmte ich mich. Und ich habe auch gekämpft. Nur die Götter halfen mir. Dann nahm der Gottkaiser seine schreckliche Hand von uns und die graue Decke machte wieder Platz über unseren Köpfen.

Die Verrückten waren hinten bei den Übrigen von uns. Einer der Soldaten brüllte, wir sollten uns nach vorne durchschlagen. Da wäre jetzt keiner mehr. Ich nahm die Lehne eines Sitzes als Schild wie ein Karomabrett¹. Mit aller Kraft drängte ich mich durch die Verrückten und dann waren wir endlich ganz vorn. Die Infizierten gaben dieses schreckliche Kreischen von sich und jagten uns. Sie kamen auf und zu. Wir kämpften mit allem was wir hatten. Die Soldaten erschossen sie. Tote türmten sich an der Schleuse auf. Aber das Grauen an der Decke wurde von uns genommen. Am Ende haben nur drei überlebt.«


¹ Zubehör einer kimaindarischen Sportart.

 

Nur drei Menschen überlebten den Unfall der CSS Bilata. Alle anderen Menschen an Bord starben einen schrecklichen Tod. Als das Schiff nach vierzehnstandardtägigem Flug endlich im Abagadur-Dock von siva`s ND-Raumhafen AT4 ankam, liefen alle Systeme nur noch auf Notroutinen. Der Flugschreiber der KI hatte den Eintritt und den Wiederaustritt aus der Membran nicht registriert. Der obere Schiffsrumpf war von seiner Farbe befreit. Es war, als hätte ein Titan ihn mit Schleifpapier glatt geschliffen. Das Team der Schiffsrettung musste die Schleusen aufschweißen, da auch deren Technik nicht reagierte. Was sie in der düsteren Hülle des Geisterschiffes fanden, ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Über 170 Leichen, zum Großteil in unglaublich schrecklichem Zustand, füllten die Sitzreihen. Die Verwüstung war unbeschreiblich. Diese Menschen hatten sich zweifelsfrei gegenseitig getötet. Es war zu Kannibalismus und Schändungen gekommen, doch nichts wies draufhin was dieses Verhalten ausgelöst hatte.

Im vordersten Casinodeck fand man die drei Überlebenden. Sie lagen sie drei verwundet im Koma, litten an Dehydration und Unterernährung. Unerklärlicherweise hatten sie die vierzehn Standardtage des restlichen Fluges ohne Wasser und Nahrung überlebt. Als sie schließlich im Caruma Medcenter auf sND erwachten, waren sie in einem extrem schlechten physischen und mentalen Zustand.

Danach verbrachten sie einen langen Zeitraum in einer hier nicht genannten staatlichen Einrichtung auf siva`s ND. Man versuchte ihnen dort zu helfen, aber es ist ihnen auch jetzt noch anzumerken, wie schlecht es um ihr Seelenheil bestellt ist. Mögen die shivaitischen Götter sie nicht weiter bestrafen.

Anomalien des Zwischenraums

Nachdem man die Sphärenordnung verstanden hat und beginnt zu erahnen wie sich die Dimensionen zusammensetzen, machen uns Anomalien derselben das Leben erneut schwer. Wir haben gelernt, dass Pfade sich von selbst öffnen und ihre Flussenergie aus Energiekanälen beziehen, die sie mit dem Zwischenraum verbinden. Wir wissen, das Tunnel Konstanten im Dazwischen sind, die Millionen von Standardjahre Bestand haben und deren Öffnungen nur mit einem speziellen Dimensionsbrecher, dem sogenannten Tunnel Inner Space Transitions Antrieb aktiviert werden können. Normalräume gibt es unendlich viele aber wir müssen uns keine Sorgen machen – der Zwischenraum trennt uns von unseren Spiegelwelten und lässt uns niemals zu ihnen durch – also warum darüber nachdenken?

IGAj 511 zeichnete die CSS Balikante im Vorbeiflug an einem Planeten des Kasaren-Systems eine Raumöffnung auf, die in keine der bekannten Klassen eingeordnet werden konnte. Für einen Pfad waren die austretenden Ionenströme viel zu stark. Ein Tunnel konnte es aber auch nicht sein, denn sie stand offen und ließ sich mit einem Durchmesser von über 600 Metern messen. Die Anomalie befand sich nahe der Atmosphäre eines der Planeten des Systems, sodass sie diese mit angereicherten Ionen überschwemmte und komplette Oberfläche für immer unbewohnbar machte – eine seltene Subraumanomalie, eine Abweichung im Gesetz des Chaos.

Der Tunnel von Kasaren konnte leider nicht genauer untersucht werden. Als verschiedene Forschungsschiffe eintrafen, war er längst zusammengebrochen. Die Spuren die er hinterlassen hatte, waren jedoch eindeutiger Natur. Theorien besagen, die extrem ionisierte Atmosphäre des Planeten A2-68c wäre durch eine Sonneneruption aufgewirbelt worden. Der so entstandene Sog hätte den nahen Tunnel in den Normalraum gezogen und geöffnet. Dann sei ein Vakuum entstanden und die Atmosphäre hätte die Ionenströme schneller aus dem Tunnel gesogen, als dessen Wände sie durch die Membran aus dem Zwischenraum nachziehen konnten. Schließlich wäre das gesamte Phänomen in sich zusammengebrochen. Tiefe Narben im Subraumgefüge nahe des Planeten zeugen von diesen Vorgängen.

Es gibt unzählige Zwischenraumanomalien. In den berühmten braunen Aufzeichnungen¹ der Kanka impiri ist von Pfaden die Rede, die von der Gravitation einer Doppelsonne an Ort und Stelle gehalten wurden. So bildete sich ein ganzer Strauß von Raumöffnungen, welcher mit der Zeit ein poröses Loch in den Normalraum fraß. In Teilen führte diese chaotische Öffnung in den Zwischenraum, in die verworrenen Pfade und in groteske ausgestülpte Membranbrocken, die mit dem sie umgebenden Raumstaub zu Microfusionsexplosionen reagierten.

Auch ist es schon vorgekommen, dass ein Tunnel anstelle mit seinen Enden, mit dem Rücken die Membran durchstieß und sich dem Normalraum näherte. Wie ein Pfad bildet ein solch fehlgeleiteter Tunnel Energiekanäle aus und kann Raumschiffe, Monde oder gar ganze Planeten verschlingen. Füllt er sich mit genügend Materie, so kollabiert er und reist ein großes Areal Normalraum in den Subraum oder stülpt sich komplett in den Normalraum aus und es kommt zu einer Materie-Antimaterie-Explosion. Es ist wirklich nicht ratsam, sich in der Nähe einer solchen Anomalie zu befinden, wenn sie kollabiert.


¹ Eines der anerkanntesten Werke über Subraumgesetze.

Bekannte Anomalien

  • Subraum-Echo › Frequenz 8
    Dies ist ein harmloses Beispiel einer Anomalie. Durch eine Ionisierung von Treibgut in der Membran kommt es zu einer Einkapselung. Die nicht abströmende Strahlung nimmt überhöhte Werte an. Subraumlanzen erkennen hierin häufig Pfade, wo es gar keine gibt.
  • Pfadsprünge › Frequenz 6
    Wenn ein Raumschiff die Pfadwand berührt, kommt es zu einer Materie-Antimaterie-Reaktion, welche den ganzen Pfad aufwirft und um das Zehnfache verlängert. Schiffe die ihn benutzen, treten weit von ihren ursprünglichen Navigationspunkten aus.
  • Gelber Pfad › Frequenz 5
    Ein Pfad, dessen Wände ›verschorft‹ sind, erzeugt Innen einen derart schwachen Ionenfluss, dass er keine Schiffe transportieren kann. Schiffe, die dennoch in ihn dringen, bleiben ohne Antriebsmöglichkeit hängen. Der Name dieser Anomalie stammt von dem gelben Licht, das sich in den Öffnungen solcher Pfade bricht.
  • Tunnelriese › Frequenz 3
    Ein Tunnel, welcher sich über einen sehr langen Zeitraum in der Nähe eines gravitatorischen Feldes befindet, wird zu einem Riesen. Früher oder später durchbricht er die Membran zum Normalraum und beginnt die Quelle der Gravitation zu sich heranzuziehen.
  • Ausstülpungen › Frequenz 2
    Eine der gefährlichsten Anomalien in der Galaxis ist die sogenannte Ausstülpung. Es kommt zuweilen vor, dass ein Tunnel innerhalb des Zwischenraums ›reißt‹. Wird dann eines der Enden mittels T-IST geöffnet, kommt es zu einer Ausstülpung. Sie expandiert in den Normalraum, schiebt eine große Menge Membran mit heraus und verursacht gewaltige Materie-Antimaterie-Reaktionen.

Die Anomalie von Adlaria`Dalun

Wir wissen aus zahllosen Aufzeichnungen alter Kulturen von Subraumreisen. Man nannten die hierfür genutzten Maschinen nicht T-IST-Antriebe, aber Begriffe wie Dimensionsbrecher und Zweiraumantriebe lassen sich aus vielen alten Aufzeichnungen herausfiltern. Da ist die Rede von Dimensionsverdrehern, Toren in die Anderwelt und geistigen Kräften und anderen Dingen, die nach heutigen Maßstäben schwer zu verstehen sind, aber dass die Smavari durch den Subraum reisten, ist eindeutig belegt, denn schließlich waren sie es, die die SUKOT gründeten. Wie es den smavarischen Schiffen dieser Epoche genau gelang, sich durch den Raum fortzubewegen und wie sie den Gefahren des Zwischenraumes entgingen ist schwer zu sagen. Dasselbe gilt für die Raumfahrt anderer alter Völker, wie den Vorlesen und schließlich den Tmene, die vollumfänglich für die Entstehung der Kirner Kultur und später für ihre Raum- und Subraumfahrt verantwortlich waren. Nach der Befreiung von der Herrschaft der Tmene warten wir tausende von Standardjahren von ihrer Technik abhängig und auch wenn wir bald in der Lage waren eigene Raumschiffe zu konstruieren, fehlte es uns das Wissen, wie man Subraumtriebwerke herstellte. So mussten wir immer wieder auf die Rückwurfkammertriebwerke von tmenischen Schiffen zurückgreifen, sie aus alten Gefährten ausbauen und wiederverwertet, bis es der Menschheit endlich gelang selbst einen Subraumantrieb zu bauen.

Adlaria`Dalun – von seinen menschlichen Bewohnern abfällig ›Slough‹ genannt – war einst eine Welt der Smavari. Vor langer Zeit entdeckten sie dort reiche Mercuryvorkommen. Wie sie es in allen Epoche taten, bedienten sie sich terranischer Sklaven, um das Erz abzubauen. Gerüchten zufolge schädigten sie die Ausdünstung dieses Materials, weswegen sie von ihren Sklaven abhängig waren. Später verließen sie Adlaria`Dalun, zogen sich zurück und setzten andere Sklavenspezies als Vasallen ein: die Dainar. Warum die Smavari letztendlich den Planeten aufgaben ist nicht bekannt. Vielleicht hatten die ständigen Kriege gegen ihre Feinde, die Gorden, sie soweit aufgerieben, dass es ihnen unmöglich wurde Welten am Rande ihres Einflussbereiches zu sichern. Unter der Aufsicht der Dainer, ging der Abbau weiter, doch allmählich geriet Adlaria`Dalun in Vergessenheit. Erst im IGAj 539,7¹ (also vor nur IGAJ 23,8³) machte der Planet erneut von sich hören.

Nach smavarischen Bauanleitungen konstruierte Gildenmeister Samuel Thurker mit seiner Gruppe von Wissenschaftlern auf Adlaria`Dalun einen funktionierenden T-IST-Generator. Diese spezielle Art der  IST-Technik ist extrem günstig im Betrieb und verbreitete sich schnell über die gesamte SUKOT. Von nun an war es möglich, billige.Subraumantriebe und Raumschiffe zu entwickeln. Doch wie immer hatte dieser Fortschritt auch eine Schattenseite. So wurden bald Stimmen laut, nach denen der Ausbruch der Schwarzen Seuche mit der Erfindung des von Menschen gebauten T-IST zusammenhinge. Wirklich Belegt werden konnte dies nie, aber schlimme Ausbrüche der Seuche (unter anderem auch auf Adlaria`Dalun) passten zeitlich zur Verbreitung der neuen Antriebe. Tmenische oder vorlesische Subraumtriebwerke hatten früher über viele Äonen ohne diese schrecklichen Nebenwirkungen funktioniert.

Wie gelang es den Wissenschaftlern auf Adlaria`Dalun nun die Macht des Dimensionsbrechers zurückzubringen? Der Tunnel von Adlaria`Dalun nahe der violetten Sonne Garia, verbindet das System mit Fan Jen Doro und befindet sich gut anderthalb Standardtage vom Planeten entfernt. Eine Entfernung, von der Thurker glaubte, dass er kein Raumschiff benötigen würde, um den Tunnel zu aktivieren. Das Verständnis für die Konstruktion eines Subraumantriebs erhielt er aus den Datenkristallen der Silberwölfe. Er übersetzte sie, stellte eigene Forschungen an und baute mit seinem Team den ersten neuen Spiegelturm. Im Inneren des Apparates befand sich ein IST-Antrieb aus einem alten shivaitischen Frachter. Mit einem Teilchenbeschleunigers feuerte man schwere Partikel durch einen Gravitationemitter. Die entstandenen Schwerkraftfelder lenkten Lichtpartikel mit Hilfe der Reflektoren des Turmes zwischen die Atomgitter des Normalraumes. Dort spalteten sie sich auf. Verstärkt durch den IST und angezogen von der Polarisierung des Tunnels, drangen sie in die Membran und den Subraum vor. Schaffen es reale Wellen durch die Membran, kommt es zu einer Kettenreaktion. Die gravitatorischen Kräfte des Normalraumes stülpten die Tunnelöffnung nach außen und zwangen sie zur Expansion. Der Tunnel brach auf und saugte sich außerhalb der Membran am Normalraum fest. Es kam zu einem gewaltigen Ionenstrom, der eine Anomalie zwischen dem Planeten der System-Sonne Garia auslöste, die beinahe das Leben auf Adlaria`Dalun ausgelöschet hätte. Zum Glück gelang es den Forschern den Turm im letzten Moment zu stoppen und den Tunnel zu schließen.


¹ Vor etwa 49.000 Standardjahren.

² Etwa im Standardjahr 2.115.

³ Etwa 264 Standardjahre.

Subraumschilde

Schon früh begannen man nach Möglichkeiten zur Nutzung des Zwischenraums zu forschen. So versuchte man die Technik des IST-Antriebes, verändert als Schutzschilde auch außerhalb des Subraums einzusetzen. Gefährliche Geschosse oder Torpedos in einer Subraumspalte verschwinden zu lassen, erschien äußerst verführerisch. Problematisch dabei war es, Feldgeneratoren zu entwicklen, die in der Lage waren, gewölbte oder kugelförmige Risse zu erzeugen, um den Schiffskörper wirkungsvoll zu schützen. Anfangs gelang dies nur teilweilse. Die ersten ISW-Schilde¹ waren nur leicht gewölbt und wurden zwischen das eigene Schiff und den angreifenden Gegner projiziert. Erst später gelang es, echte gebogene Schilde zu erzeugen.

Eine weitere Herausforderung für die Ingenieure war es, den Subraumriss nicht wie sonst an einer festen Stelle im Raum entstehen zu lassen. Das Raumschiff sollte ihn ja mit sich ziehen. Da ein Riss aber immer fest in der Membran verankert ist, blieb nach endlosen Experimenten nur eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen. Man stellte den ISW-Schildgenerator so ein, dass er die Subraumöffnung nur zu 99.99 % öffnete. Dies führte zur Bildung einer Antimaterie-Ionenschicht, die ganz dicht unter der Oberfläche des Normalraumes mit dem Schiff mitgezogen wurde – eine künstliche Subraumanomalie. Passierte nun ein Geschoss diese Blasenhülle, reagierten die Antimaterie-Ionen sofort mit der eindringenden Materie und die so freiwerdende Energie ließ die Blase geradezu in den Zwischenraum platzen. Der Riss entstand und das Geschoss verschwand in den Zwischenraum. Durch die verhältnismäßig geringe Ausdehnung des Risses verschloss sich dieser nach wenigen hundertstel Sekunden von selbst. In der Zwischenzeit erzeugte der Schildgenerator eine neue ISW-Schildblase. Selbst die schwersten Angriffe konnten so wirkungsvoll ins Dazwischen abgeleitet werden.

Ein Nachteil dieser Schilde ist seine Eigensensorabschirmung. Sobald der Schild getroffen wird und den Riss ins Dazwischen geöffnet hat, werden die Sensoren des Schiffes in Rissrichtung stark abgeschirmt und erschweren die Feindbeobachtung. Es dauert eine Weile, bis die KI die gravitatorischen Werte in die Sensorenabweichung einzubeziehen. Dazu sind ISW-Schilde nur begrenzt gegen Strahlenwaffen einsetzbar und ihr sehr hoher Energieverbrauch macht ihren Einsatz teuer.

  • ISW-GEN 1
    Alte Schilde projizieren nahezu flache Platten um das Schiff (oben, unten, rechts und links). Hier hat man oft mit Problemen der Überlappung zu kämpfen, um keine Lücken zwischen den Schildfragmenten entstehen zu lassen. In Kriegsschiffen werden in manchen Fällen auch mehrfach gestaffelte ISW-Schilde eingesetzt.
  • ISW-GEN 2
    Gen 2-Schilde sind so gut wie nicht mehr im Einsatz, da ein Designfehler den eingesetzten Refraktor zu schnell zerstörte. Es gibt auch so gut wie keine Ersatzteile, da sich die Halbwertzeit der Isotope im benötigten Refraktor als zu kurz erwies.
  • ISW-GEN 3
    Neuere ISW-Schilde können mit Refraktorlinsen stark gewölbte bis halb-kugelförmige Schilde erzeugen. Diese hüllen dann das Raumschiff zur Hälfte ein. Somit kann schon mit zwei Projektoren ein kompletter Schiffsrumpf geschützt werden.

¹ Inner Space Wreathe-Schilde.

Subraumwaffen

Zeitgleich mit der Entwicklung der ISW-SChilde begann man die Zwischenraumtechnologie waffenfähig zu machen. Man verkleinerte die Apparaturen, bis man sie mit leistungsfähigen Energiezellen in einen vakuumtauglichen Torpedo passten. So ein Flugkörper kann natürlich nur von Kriegsschiffen genutzt werden, hat er doch immer noch eine Länge von über fünfzehn Metern. Zu den besagten Verkleinerungsmmaßnahmen werden  Komponenten, wie zum Beispiel Refraktorlinsen heute gegen Einmallinsen, ausgetauscht. Auch andere Bauteile, die in einem Sprunggenerator auf Wiederverwendbarkeit ausgerichtet sind, werden in Subtorpedos durch Einmalkomponenten ersetzt.

Die Ziel- und Navigationscomputer in Torpedos sind häufig sehr schlicht in ihrer Konstruktion, denn sie müssen die Waffe ja nur auf einen frontalen Kollisionskurs mit dem Ziel bringen. Kurz vor dem Auftreffen löst die KI einen Riss in der Membran aus. Die Größe der Perforation kann leicht einhundert Meter betragen. Sie existiert nur wenige hundertstel Sekunden, doch dies reicht aus, ein Raumschiff für immer darin verschwinden zu lassen. Nur selten gelingt es betroffenen Schiffs-KIs oder der Navigationsbesatzung ihre Sprungtriebwerke im richtigen Moment einzusetzen, um die Katastrophe abzuwenden. Schiffe, die auf diese Weise in den Subraum befördert werden, haben den dortigen Bedingungen nichts entgegenzusetzen und sind für immer verloren.

Sura su1 › Ansamischer Quanten-Subtorpedo

SRX IST-Torpedo › Kirner Phasen-Subtorpedo

Pitanfe sufum › Ifpegischer Subtorpedo mit Leitcom

Subraumkommunikation

Subraumkommunikation (Subcom) beruht wie die Übertragung von Daten mittels altertümlicher elektomagnetischer Wellen, auf der Modulierung einer oszilierenden Trägerfrequenz und deren Überlagerung mit Sendeinformationen. Im Zwischenraum wird als Übertragungsmedium allerdings im Gegensatz zu Luft oder Vakuum, die Membran genutzt. 

Starke Sendelanzen mit leistungsfähigen Schwingquarzen und IS-Interuptoren¹ bringen die niederdimensionale Memran im Quantenbereich zum Schwingen. Entsprechende Detektoren können solche Vibrationen des Sphärengefüges empfangen und in ein Kommunikationssignal wandeln. Die Reichweite dieser Subraumsignale ist praktisch unbegrenzt. Immerhin sprechen wir von den selben Quantenphänomen, die auch Massekörper über eine zweidimensionale Dimension zwischen den Spähren zu bewegen vermögen. In der Praxis allerdings, ist sie von der eingebrachten Energie des Transmitters, der Energiebündelung des selben, der Empfindlichkeit des Empfängers und vor allem von eventuellen Störungen im Subraum abhängig.

Es gibt zwei generelle Methoden der Subraumkommunikation:

  1. Systemcom, SSC (Sys-Sub-Com)
  2. Langstreckencom, LHSC (Long-Houl-Sub-Com)

Diese Techniken unterscheiden sich maßgeblich voneinander und sollen im Folgenden näher beschrieben werden.


¹ Inner Space Interuptoren dienen der geringfügigen Manipulation der Membran.

Systemcom

Systemcom ist ungerichtet und wird in alle Raumdimensionen gleichmäßig in Kugelform abgestrahlt. Hier wird eine extrem hohe Frequenz in der Membran angeschlagen was ebenfalls zu einer sehr schnellen Übertragungsgeschwindigkeit führt. Dies reduziert zwar die Reichweite der Transmission, stellt jedoch sicher, dass das Signal innerhalb eines Durchmessers von etwa 150 Standardlichtjahren innerhalb kürzester Zeit empfangen werden kann. Die Reichweite und Ausbreitung kann allerdings auch beim Systemcom durch Reduktion der Sendeenergie und Bündelung der Signale verkürzt, eingeschränkt oder auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet (Richtcom) werden.

  • Reichweite: 1 Quadrant
  • Signalverzögerung: Unter 10 Sekunden

Langstreckencom

Für die weitreichendere Kommunikation kommen sogenannte LHSLs¹ zum Einsatz. Hier kommt es zu erheblich größeren Verzögrungen bei der Übertragung, da sehr tiefe Frequenzen im Membranspektrum genutzt werden müssen. LHSLs können mit Richtantenne und Nachbrennern etwa sieben Quadranten (ca. 1.000 Standardlichtjahre) weit Senden. Will man größere Entfernungen überbrücken, muss man auf kostenpflichtige RSLs² ausweichen. Diese werden meist vom Militär betrieben, gewartet und überwacht.

  • Reichweite: 7 Quatranten
  • Signalverzögerung: Eine Stunde pro Quadrant

¹ Long-Houl-Subcom-Lances

² Relais-Subcom-Lines

Subraumortung

Findige Ingenieure nutzten Technik der Subraumtransmission mit geringen Adaptionen schon früh dazu, Schiffe, Sonnen, Planeten oder andere Objekte auf große Distanzen zu Orten. Die grundlegende Idee dahinter basiert auf dem Gesetz der Raumkrümmung. Da der Normalraum mit dem Zwischenraum verbunden ist, wird auch dieser hiervon beeinflusst.

Raumkrümmungen wirken in der Membran wie ein Kieselstein den man ins Wasser wirft. Es breiten sich ringförmige Wellen von der Position des Objektes in der Membran aus. Hat man entsprechend empfindliche Messgeräte und beobachtet den Zwischenraum fortlaufend, ist es mögliche diese Vibrationen im Quantenbereich zu erkennen und bewegten Gegenständen oder Objekten zuordnen. Wie bei unserem Stein verschwinden die Wellen nach einer gewissen Zeit, wenn sich das Objekt nicht mehr bewegt. Trotzdem sind Stellare Objekte (Sonnen, Planeten usw.) für Subraumlanzen praktisch ständig sichtbar. Da sie sich mit gleichbleibenden Geschwindigkeiten zueinander bewegen ergeben sich stehende Wellen zwischen ihnen, welche klar und damit gut wahrnehmbar sind.

Wenn sich ein Schiff mit Nullgeschwindigkeit¹ bewegt, werden seine minimalen Wellen (Raumschiffe haben verglichen mit einem Planeten eine verschwindent kleine Masse), von den stehenden Wellen der Stellaren Objekte verdeckt. Erst wenn es beschleunigt bilden sich besser messbare Wellenfronten, und es kann entdeckt werden.

Noch deutlicher wird es wenn ein Schiff aus dem Subraum austritt und somit plötzlich einen zuvor gänzlich leeren Raum mit seiner Masse ausfüllt. Dann bilden sich besonders starke Wellenspitzen die noch besser erfasst werden können.


¹ Fortbewegung innerhalb eines Systems ohne eigenständige Beschleunigung (zum Beispiel geostationär).

Aktive Subraumortung

Den Militärs war die normale, passive Subraumortung nicht effizient genug. Nach einigen verlustreichen Schlachten bei denen Mienen und getarnte (Nullgeschwindigkeit fliegende) Raumschiffe als Hinterhalt eingesetzt wurden, beschloss man weiter an der Subraumortung zu forschen und entwickelte sogenannte Subraumrammen (ähnlich einem Echolot). Dazu werden künstliche Gravitationsfelder auf die Membran des Zwischenraums projiziert die eine ausbreitende Welle zur folge haben. Wenn diese nun von den sich mit Nullgeschwindigkeit bewegenden Objekten reflektiert werden, ist es leicht sie zu sondieren. Ein von Membranwellen getroffnes Schiff leuchtet auf einem Subraumsensor wie ein Warnlicht auf.